Bildungscampus Gersthof Außen

Bildungscampus Gersthof

Wielemansgasse 28, 1180 Wien, Österreich
Wielemansgasse 28, 1180 Wien, Österreich

Bildungscampus Gersthof - Funktionssanierung und Erweiterung

Best Practice im Schulbau

Neue Nutzung in alten Mauern
Das denkmalgeschützte, ursprünglich von den Architekten Mautner und Rothmüller entworfene Gebäude aus dem Jahr 1926 , wurde einer umfassenden Bestands- und Funktionssanierung unterzogen, um es langfristig für den Schulbetrieb nutzbar zu machen. Dabei behielten die Fassade und Außenflächen ihr Erscheinungsbild und auch im Inneren wurden im Sinne der Denkmalpflege wesentliche Merkmale des Gebäudes erhalten. Unter Berücksichtigung der Bestandsstrukturen wurden Räume neu angeordnet und um ein Nebenstiegenhaus erweitert. 

Insgesamt entstanden 23 großräumige Stammklassen mit integrierten Freibereichen für offenes Lernen. Zudem wurden im neu geschaffenen Gartengeschoß, ehemalige Keller- und Lagerräume, helle Kreativräume mit direktem Ausgang ins Freie geschaffen. Auch die dort angesiedelte Bibliothek, Aufenthaltszonen und der Speisesaal orientieren sich zum großzügigen Freiraum. Die Sonderunterrichtsräume für EDV und Musik finden im Erdgeschoß Platz, während naturwissenschaftliche Fächer im ersten Stock unterrichtet werden. Im dritten Obergeschoß entstand unter Einbeziehung des offenen Dachraums anstelle der alten OP-Säle ein Mehrzwecksaal, der mit einer attraktiven Aussicht auf den Kahlenberg punktet. Die ehemalige Verwaltungsvilla wurde zum naturwissenschaftlichen Department umfunktioniert und beherbergt nun Unterrichtssäle, Versuchsräume und Kustodien.

Die architektonische Gestaltung berücksichtigt die Anforderungen, die Digitalisierung, neue Lernkulturen und innovative pädagogische Konzepte sowie Inklusion und Ganztagesbetrieb von Schulen an den Schulraum von morgen stellen: Schaffung von freien Lernzonen und offenen Lernlandschaften, flexibel nutzbare Klassenräume mit entsprechender technischer Ausstattung und räumlichen Qualitäten in Bezug auf Akustik, Belichtung, Beleuchtung und Raumluftqualität sowie Lern- und Lebensräume im Innen- wie Außenraum für die Nachmittagsbetreuung von Kindern.

klimaaktiv Gold: Nachhaltigkeit im Fokus
Die Sanierung von Bestandsbauten ist hinsichtlich Nachhaltigkeit am Bau unangefochtener Sieger. Ressourcen werden geschont, zusätzliche Bodenversiegelungen vermieden und der CO2-Ausstoß minimiert. Durch die Gestaltung des Gartengeschoßes wurden über 500 m2 zusätzliche Nutzfläche ohne Neubau geschaffen. Bei der Neuerrichtung der Turnsäle am südlichen Rand der Liegenschaft wurde ebenfalls ressourcenschonend vorgegangen: an Stelle von zwei Normturnhallen wurde nur eine in dieser Größe errichtet und ein zweiter, kleinerer Bewegungsraum mit vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten wie Bouldern, Tanzen oder Bodenturnen. Die Umsetzung von vorwiegend Low-Tech Konzepten, automatisierte Fensterspaltlüftungen und die Installation einer PV-Anlage mit 68 kWp komplettieren die umfangreichen Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei diesem Projekt.

Architekturwettbewerb
Im Jänner 2021 wurde das EU-weite, zweistufige, offene Verhandlungsverfahren zur Planerfindung für die Funktions- und Bestandssanierung des ehemaligen orthopädischen Krankenhauses Gersthof abgeschlossen. Dabei ging die Franz und Sue ZT GmbH als Sieger hervor, nach deren Plänen die BIG das Projekt umgesetzt hat.

 

Aktuell dient das Gebäude als Ausweichquartier für das in Modernisierung befindliche BG Klostergasse. Danach ist eine Nutzung als permanenter Schulstandort vorgesehen.

Baubeginn
Q2/2023
Fertigstellung
Q1/2025
Architektur

Bestands- und Funktionssanierung Bildungseinrichtung Gersthof

Wettbewerb

EU-weites, zweistufiges , offenes Verhandlungsverfahren mit vorheriger Bekanntmachung für die Vergabe von Generalplanerleistungen zur Erlangung von Vorentwurfskonzepten für die Bestands- und Funktionssanierung des Ausweichquartier Gersthof, am Standort 1180 Wien, Wielemansgasse 28.

Die Sitzung des Preisgerichts fand am 17.12.2020 statt. Als Gewinner ging  die Franz & Sue ZT GmbH hervor.

1. Rang = Gewinner

Projekt / Franz & Sue ZT GmbH, 1100 Wien

Auszug aus dem Juryprotokoll

Der Bestand 

Das signifikante Gebäude mit seiner langen Nutzung als Krankenhaus bringt für die  Transformation in einen zeitgemäßen Schulbau einige Herausforderungen mit sich. Vor allem  die Trakttiefen von ca. fünf Meter und die Erschließung lassen auf den ersten Blick Zweifel an  einer sinnvollen und wirtschaftlichen Adaptierung aufkommen. Bei näherer Untersuchung  entdeckt man jedoch sehr bald den besonderen Charme und das Potential des Gebäudes. 

Kurze Wege 

Die fünfgeschossige Schulnutzung erfordert für einen raschen Wechsel zwischen den  Unterrichtseinheiten eine hochwertige vertikale Verbindung. Die bestehende Hauptstiege kann  ohne allzu große Veränderungen beibehalten werden. Die bestehende kleine Stiege ist für eine  Schulnutzung nur eingeschränkt brauchbar und wird daher durch eine neue großzügige  Hauptstiege ersetzt. Die beiden im Grundriss diagonal versetzt angeordneten Stiegen  ermöglichen eine gute Zirkulation im Gebäude und die Entfluchtung der Obergeschosse. Das  Erdgeschoss und Gartengeschoss werden unabhängig davon direkt ins Freie entfluchtet.  Die  Lehrer werden im Sinne der kurzen Wege zentral im Gebäude in den Geschossen EG, OG 1 und  OG 2 angeordnet.  

Die offene Schule 

Um die schlecht belichtete Mittelgang-Typologie zu öffnen, werden die Türen und Nischen  verglast. Die dezentralen Pausenzonen werden durch die bestehenden Balkone und Terrassen  erweitert. Dadurch entsteht eine offene Schule, in welcher es keine reinen Verkehrsflächen  gibt und alle Bereiche gut nutzbar sind. 

Eine wohnliche Atmosphäre 

In Anlehnung an die denkmalgeschützten Fliesen im bestehenden Stiegenhaus werden die  Erschließungs- und Pausenflächen mit einem neuen ornamentalen Fliesenmuster ausgeführt.  Dadurch ist eine hohe Gebrauchstauglichkeit gegeben (keine Patschenschule). In Verbindung  mit einer weicheren Möblierung wird in den Pausenräumen eine wohnliche Atmosphäre  geschaffen, welche durch den Parkettboden in den Klassen ergänzt wird. 

Die Stammklassen 

Die Garderobenflächen werden in die Stammklassen integriert. Dadurch können flexibel  nutzbare Unterrichtsräume mit 70m² bis 80m² geschaffene werden. Die Spinde der Schüler  teilen den Raum in einen größeren Bereich für klassischen Unterricht und in eine kleinere  Selbstlernzone. Aus dem Makel der geringen Trakttiefen wird eine attraktive Lernlandschaft. 

Sport-Pavillons

Im Süden der Liegenschaft ist die Errichtung eines Normturnsaals und eines Bewegungsraums, unter Einhaltung des derzeit gültigen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan, geplant.

Die multifunktionalen Sportpavillons bestehen aus einer Normturnhalle (405 m² NRF) und aus einem Bewegungsraum (235 m² NRF). Diese können auch außerhalb der Unterrichtszeiten von externen Vereinen genutzt werden. Zusätzlich ist der Bewegungsraum auch gleichzeitig ein Veranstaltungsaal. Der konstruktive Holzbau mit einer Lärchenverschalung fügt sich optisch in das Parkareal ein. Eine PV Anlage und eine extensive Dachbegrünung halten die Wartungskosten und Betriebskosten gering. Angestrebt wird eine klimaaktiv Silber Zertifizierung für das Hauptgebäude sowie auch für die Sportpavillons.

Verfahrensbetreuer

ZT DI Andrea Hinterleitner
Ditscheinergasse 4/12
1030 Wien
T + 43 1 877 48 11
F + 43 1 877 48 54
office(at)zt-hilei.at

 

ICOMOS - Austria Best Practice Award 2025

Besondere Anerkennung

Aus insgesamt 67 eingereichten Projekten wurden von der Fachjury heuer in zwei Sitzungen eine Auswahl von 14 Projekten identifiziert, die besichtigt und für die Preise und Anerkennungen evaluiert wurden. Der Bildungscampus Gersthof hat sich mit seinem Umbau- und Revitalisierungskonzept überzeugend gegen zahlreiche Einreichungen durchgesetzt.

Mit der Auszeichnung sendet ICOMOS ein starkes Signal dafür, wie denkmalgeschützter Bestand in Wien zukunftsfähig transformiert werden kann. Der Bildungscampus Gersthof soll als Vorbild und Inspiration für weitere Schulbau- und Revitalisierungsprojekte in Österreich dienen.

BIG SEE Grand Prix

Kategorie „Public – renovation“

Der BIG SEE Award wird jährlich im Rahmen eines großen Architekturfestivals in Slowenien vergeben. Die Auszeichnung würdigt Projekte, die durch Qualität, Haltung und gesellschaftliche Relevanz überzeugen. Damit zählt der Bildungscampus Gersthof zu den herausragenden Architekturleistungen im internationalen Vergleich.

Eine Besonderheit: Das Projekt wurde nicht aktiv eingereicht, sondern direkt vom Kurator:innen-Team des Awards nominiert – ein seltenes und besonderes Zeichen der Anerkennung. Aus einer Vielzahl internationaler Projekte wurde Gersthof zunächst als „Winner“ ausgezeichnet und anschließend von einer internationalen Jury mit dem Grand Prix prämiert.

Gebaut 2025

Mit dem Architekturpreis “gebaut” prämiert die Stadt Wien qualitativ hochwertige architektonische Projekte im Wiener Stadtgebiet, die stadtgestalterisch anregende und wegweisende Lösungen und Antworten auf aktuelle Fragen geben, wie z.B. zu sozialer Nachhaltigkeit und zum Klimaschutz. Der Schwerpunkt in der Begutachtung wird auf das äußere Erscheinungsbild und die Wirkung der Gebäude im Stadtraum gelegt. Dabei wird sowohl auf Form und Maßstäblichkeit, sowie auf die verwendeten Materialien, Farbgestaltungen und Fassadenkonzepte geachtet. Die Bandbreite reicht von ökologisch nachhaltigen Sanierungen, smarten Umnutzungen bis hin zu innovativen Neubauten.