Dachgleiche an der Hauptbibliothek der Universität Wien

Seit Beginn 2025 laufen umfangreiche Umbauarbeiten in der Hauptbibliothek bzw. den ehemaligen Büchertürmen der Universität Wien. Nun wurde das Erreichen der Dachgleiche gefeiert - 200 Gäste, darunter rund 80 Bauarbeiter füllten den Eingangsbereich der Neuen Universitätsbibliothek aus. Bis Frühjahr 2027 werden die von Studierenden sehnsüchtig erwarteten Studier- und Aufenthaltszonen nach dem Entwurf des Wiener Architekturbüros DI Gunther Palme ZT GmbH Form annehmen – und die neue Bibliothek der ältesten Universität im deutschsprachigen Raum wird für ihre mittlerweile 85.000 Studierenden auf neun Ebenen endlich genug Platz bieten.

Die historische Bausubstanz wird grundlegend modernisiert und eine Raumstruktur mit modernstem Standard geschaffen. Nachdem letztes Jahr mehrere Millionen Bücher aus den ehemaligen Magazinbereichen in das neue Bücherdepot in Floridsdorf ausgelagert wurden, wird der Großteil des Büchermagazins nun zu studentischen Zonen umgestaltet.  Den Benützer*innen wird zukünftig die doppelte Anzahl an Arbeitsplätzen für unterschiedlichste Lern- und Forschungsaktivitäten zur Verfügung stehen. Auch Energieeffizienz und Barrierefreiheit werden deutlich gesteigert.

Der neu geschaffene Haupteingang in der Reichsratsstraße 4 – 6 gliedert sich in die denkmalgeschützte, historistische Fassade des Hauptgebäudes ein und führt in das ehemalige Büchermagazin, das nun in eine mehrstöckige Halle verwandelt wird. Hier befindet sich die erste Anlaufstelle für die Bibliotheksbenutzer*innen mit Entlehnstelle und Erstinformation, sowie eine studentische Relax- und Begegnungszone.

Von hier aus erschließen sich verschiedene Zonen, die sich über mehrere (Zwischen-)Ebenen verteilen. So wird eine offene Atmosphäre geschaffen, während mit einer klaren Zonierung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lautstärkenbereiche auch für ausreichend Rückzugsmöglichkeiten gesorgt wird. Die Bibliothek wird auch über zwei Zugänge mit dem Arkadenhof verbunden - der historische Hauptzugang zum Lesesaal war über Jahrzehnte verschlossen und wird nun wieder aktiviert.

Der altehrwürdige denkmalgeschützte Lesesaal selbst bleibt von den Veränderungen aber unbeeindruckt: er wird mitsaniert, doch das Interior samt grüner Leselampenschirme bleibt in altbekanntem Erscheinungsbild bestehen. 

Besonderes Augenmerk wird auf das natürliche Tageslicht und den Bezug zum Außenraum gelegt: Vor den historisch erhaltenen Fenstern zum Arkadenhof werden abgestufte Sitzmöbel angeordnet, um eine Sichtbeziehung zum Hof herzustellen. Zugleich rückt die im Sommer entstehende Galerieebene über dem Hochparterre mit ihrer abgehängten freitragenden Decke bewusst von der Außenmauer ab, sodass die geschoßübergreifenden historischen Fenster in ihrer ursprünglichen Lage erhalten bleiben. So kann das Tageslicht von Arkadenhof- und Straßenseite tief ins Gebäude geführt werden.

Darüber befindet sich im ersten Obergeschoß die Zeitschriftenebene mit der zentralen Garderobe und über ein weiteres Zwischengeschoß gelangt man in den historischen Lesesaal sowie den Katalogsaal. Im zweiten Obergeschoß befinden wir uns auf Ebene des ehemaligen "Fischerlganges". Dieser war ehemals die einzige Verbindung zwischen den beiden spiegelgleichen Gebäudehälften. Nun entstehen dort räumlich voneinander abtrennbare Gruppenarbeitsräume, vor kurzem wurde der Estrich gemacht. In den obersten drei Ebenen befinden sich Seminarräume.

Aktuell wird die historische Stahlfachwerkskonstruktion über dem Lesesaal und den Türmen restauriert, um danach die Verglasung den aktuellen sicherheitstechnischen Vorschriften anzupassen.