Ein historischer Fund auf der Baustelle Büchertürme
Es bleibt spannend auf unserer Baustelle an der Universität Wien: Im Zuge der Sanierung und Modernisierung der Universitätsbibliothek wurde unter der Erde ein historischer Fund gemacht: Ein renaissancezeitlicher Minengang – genauer gesagt eine Sprengkammer aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts, welche zu einem Seitenarm eines Minengangs führt.
Gefunden wurde diese beim Bau eines Aufzugsschachts im Kellerbereich des Nordturms – einer der ehemaligen Büchertürme, wo nun neue Studierendenbereiche entstehen. Möglich wurde das durch die Auslagerung eines Großteils der Buchbestände in den von der BIG errichteten Bücherspeicher in Floridsdorf.
Das Fundament des Liftschachtes war etwa 30 cm unter dem Gewölbescheitel des Minengangs geplant. Bei den Ausschachtungsarbeiten wurde das gemauertes Ziegelgewölbe des Gangs in geringem Ausmaß durchbrochen.
Zwei Arbeitskräfte der Baufirma senkten den umliegenden Löss so weit ab, bis das Gewölbe frei lag, danach wurde die Verfüllung der Sprengkammer über den Durchbruch im Gewölbe entfernt und die T-förmige Kreuzungssituation des Minenganges freigelegt. Die Stadtarchäologie Wien führte daraufhin eine Dokumentation durch. Es konnte festgestellt werden, dass der Gang (ca. 5,30 m lang und 90 cm breit) sowie die Sprengkammer (etwa 3 m lang und 93 cm breit) zwischen 1700 und 1746 erbaut wurden. Die Höhe beider Gebilde beträgt etwa 110 cm.
Überraschungen sind an der Hauptuni en vogue
Unvorhersehbare Vorkommnisse gehören für Arbeiten am heutigen Hauptgebäude zum Programm: Ein Grund dafür liegt in den komplexen Untergrundverhältnissen mit Aufschüttungen, Planierungen und stellenweisen Hohlräumen. Denn das Areal der Universität Wien befindet sich im ehemaligen Glacis, einem militärisch geprägten Vorfeld mit vielen Minen im Untergrund.
Ein erheblicher Teil der Minen entstand im Zusammenhang mit der osmanischen Belagerungen Wiens 1529 und 1683 sowohl von Seiten der Angreifer, die Stadtbefestigungen zu unterminieren versuchten, als auch der Verteidiger. Als Reaktion darauf, wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts 68 dauerhafte Minengänge angelegt , welche das Glacis durchzogen – unter anderem dieser Fund. Tatsächlich kamen diese Minengänge der Stadtbefestigung aber nie zum Einsatz. Mit deren Abbruch, der einsetzenden Stadterweiterung und dem Bau der Ringstraße im 19. Jahrhundert, wurden auch die unterirdischen Strukturen teilweise zerstört und gerieten in Vergessenheit.
Interaktive Visualisierung der Baustelle: Universitätsbibliothek Wien | Umbau
Zurück zu den Plänen von Heinrich von Ferstel
Die Hauptbibliothek wurde in Lauf ihrer Geschichte bereits mehrere Male adaptiert. Mit dem aktuellen Vorhaben wird die Eingangssituation der Bibliothek neugestaltet: Ganz im Sinne der ursprünglichen Planung von Heinrich von Ferstel bekommt die Bibliothek einen eigenen, klar erkennbaren Zugang von der Reichsratsstraße – mit einer eigenen Adresse. Außerdem wird ein alter Zugang vom Arkadenhof, der direkt zur Bibliothek führt, wiederhergestellt.
Wir sind gespannt auf das Endergebnis und freuen uns auf die Gleichenfeier Anfang Juni!