Sanierung Akademie der bildenden Künste

BIG Story: Akademie der bildenden Künste

BIG Story: Sanierung Akademie der bildenden Künste

Iris Bermoser, leitende Fassadenrestauratorin für die Sanierung der Universität für angewandte Kunst, führt durch das Haus und hinauf aufs Baugerüst.

Seit Herbst 2017 wird die Akademie der bildenden Künste am Wiener Schillerplatz aufwändig saniert und erweitert. Eine Mammutaufgabe, denn die zwischen 1872 und 1877 nach den Plänen von Architekt Theophil Hansen errichtete Universität ist ein detailreiches Gesamtkunstwerk. BIG Projektmanager Andreas Stampfer bringt es auf den Punkt: "Es ist ein vollkommen durchdesigntes Bauwerk – von der Fassade bis hin zu Details wie Türgriffen und Fenstergitter." Hansen errichtete das Gebäude im strengen Historismus und ließ sich dabei von den italienischen Palästen der Renaissance inspirieren.

Besonders die Generalsanierung der Wände und Böden im Inneren des rund 17.800 Quadratmeter großen Gebäudes und der markanten Außenfassademit zahllosen Terrakottafiguren und den von August Eisenmenger gestalteten Fresken mit allegorischen Figuren an der zum Getreidemarkt hin orientierten Rückseite des Gebäudes nimmt einen wesentlichen Teil der Sanierungsarbeiten ein, in die die BIG rund 50 Millionen Euro investiert.

Mit dieser Aufgabe ist Iris Bermoser als leitende Fassadenrestauratorin betraut. Sie koordiniert die aus Steinrestauratoren, -bildhauern und Steinmetzen bestehende ARGE Rey Schaden Zottmann und kennt wie kaum eine andere die bauhistorischen Details des Hauses. Im Rahmen einer Baustellenführung am vom internationalen Denkmalrat ICOMOS ins Leben gerufenen "International Day of Monuments and Sites" gab sie Einblick in die Restaurierungsarbeiten - erst im Inneren des Gebäudes, dann hoch oben über dem Schillerplatz und Getreidemarkt am windumtosten Baugerüst. 

Im zweiten Innenhof des Gebäudes sind die Erweiterungsarbeiten für ein unterirdisches Depot mit vorgelagertem Lesesaal für die Kupferstichsammlung in vollem Gange. Dazu mussten zunächst die Fundamente freigelegt und ein unterirdischer Gang verlängert werden. Um das Depot künftig bequem erreichen zu können, wird derzeit das vorhandene Stiegenhaus von oben nach unten verlängert. Die Mauern werden dafür aufwändig gestützt. 

Von hier aus geht es weiter in den anatomischen Saal im Keller der Akademie der bildenden Künste, der seit seiner Errichtung weitgehend unverändert geblieben ist und nun ebenfalls saniert wird. Der Entwurf der Sitzreihen für das Auditorium stammt ebenso von Theophil Hansens wie der wertvolle Seziertisch mit Marmorplatte, der derzeit durch Holzplanken geschützt wird. Zum Einsatz kam er allerdings nur ein Mal. Anton von Frisch, der zwischen 1874 und 1906 den Anatomie-Unterricht an der Akademie leitete, versuchte seinen Studierenden den Aufbau des menschlichen Körpers näher zu bringen. Nachdem es dem Kellerraum allerdings an Tageslicht mangelt, erwies er sich zum Zeichnen als ungeeignet. Derzeit verbergen sich die hölzernen Sitzreihen und der Seziertisch allerdings unter Schutzplanen.

Details, die dem unkundigen Betrachter zunächst verborgen bleiben, erklärt Iris Bermoser mit Verve, etwa die umfangreichen Wand- und Türsanierung. Theophil Hansen setzte bei der Gestaltung des Hauses einst stark auf Dekorationsmalerei. So wurde etwa Holztürstöcken eine Steinoptik verliehen; die Türen aus günstigerem Weichholz veredelte man mithilfe dieser Camouflage zu teuren Hölzern. Im Laufe der Jahrzehnte fielen diese immer wieder neuen, nicht sachkundigen Anstrichen zum Opfer. In enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt stellen die Restauratoren nun den Originalzustand wieder her. Jede Tür und jeder Türstock muss mehrmals behandelt werden – dazwischen liegen Trocknungsphasen von fünf bis sechs Wochen.

Aus einem Atelierfenster im dritten Stock geht es dann hinaus aufs Baugerüst und schon auf den ersten Blick ist sichtbar, welche Materialien an der Fassade zum Einsatz kamen: während auf den unteren Ebenen Risalit angebracht wurde, befinden sich darüber edle PutzflächenNaturstein kam dort zum Einsatz, wo eine größere Last zu tragen war – etwa rund um Fenster.  Terrakotta sorgte für Zierelemente und hatte den Vorteil einer leichten, günstigen und schnell reproduzierbaren Dekoration zu sein. Hergestellt wurden die Elemente anno dazumal am Wienerberg. Vorhanden sind die Brennformen allerdings nicht mehr. Je nach Gebäudeseite unterschied sich der Fassadenzustand stark. "Im Bereich Schillerplatz und Markartgasse befanden sie sich noch im Originalzustand, Richtung Getreidemarkt und Gauermanngasse waren sie mehrfach überstrichen", so Iris Bermoser.

Das resultiert einerseits aus einem schweren Bombentreffer Ende des zweiten Weltkriegs und dem äußerst raschen Wiederaufbau mit den eben gerade vorhandenen Baustoffen, andererseits aus der Abgasbelastung an der stark befahrenen Straße. Im Rahmen einer früheren Reinigung wurde dann zugunsten eines einheitlichen Bildes großflächig retuschiert. "Die Farbe war ein viel zu starkes Gelb, das wir nun behutsam angeglichen haben", erzählt Bermoser, die an diesem kalten Apriltag hoch über dem Getreidemarkt als einzige nicht friert. Kein Wunder, ist sie doch gewohnt bei jedem Wetter draußen zu arbeiten. Ihr Geheimnis: ein ausgeklügelter Plan, nachdem sie und ihre Kolleginnen und Kollegen einzelne Restaurierungsschritte durchführen. "Man darf nicht zu lange bei einer Figur verharren, sondern in Bewegung bleiben", lacht sie.

Die Arbeiten an der Fassade sind bereits demnächst abgeschlossen. Kommendes Jahr soll die Akademie der bildenden Künste dann wieder in vollem Glanz erstrahlen.