Bildungsquartier Seestadt Aspern Teilgebiet 2

Neubau


Die BIG hat für das Bundesministerium für Bildung und Frauen eine Bundesschule mit insgesamt 41 Klassen in der Seestadt Aspern errichtet. Auf rund 13.800 Quadratmetern Nettoraumfläche wurden die Theorieklassen sowie Sonderunterrichtsräume, Verwaltung, Pausen- und Sportflächen für rund 1.100 Schüler errichtet.

Die Stammklassen der AHS (Sekundarstufe I) sind nach dem Clustersystem – ähnlich wie in der BHAK/BHAS Polgarstraße – angeordnet. Hier werden mehrere Klassenzimmer um einen offenen Raum gruppiert, der beispielsweise für Gruppenarbeiten genutzt werden kann. In der Sekundarstufe II wiederum sind die Lehrbereiche im Departmentsystem gegliedert. Die Lehrerzimmer sind hier dezentral im jeweiligen Department integriert und die Schüler haben keine Stammklasse sondern werden in einem Raum des jeweiligen Departments – ähnlich einer Universität – unterrichtet.

Das Grundstück weist eine Größe von rund 15.100 m² auf, wovon ca. 7.700 m² als Außenflächen verbleiben. Auch in Sachen Nachhaltigkeit wird der Neubau modernsten Kriterien entsprechen. Nach TQB-Skala, also Total Quality Building, die umfassende Bereiche der gesamten Nachhaltigkeitskriterien wie beispielsweise Energieeffizienz und eingesetzte Materialen umfasst, sollen 750 von insgesamt 1000 möglichen Punkten erreicht werden. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Schule ist mit 500-600 Punkten bewertet.

Facts

Baubeginn: 3. Quartal 2015
Fertigstellung: 3. Quartal 2017

Architektur:
fasch&fuchs.Architekten

Fotos: Richard Tanzer

Standort

Wettbewerb

Neubau Bildungsquartier Seestadt Aspern Teilgebiet 2

EU-weiter, offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren für die Vergabe von Generalplanerleistungen

Die Preisgerichtssitzung der 2. Wettbewerbsstufe fand am 03. April 2013 statt. Als Gewinner des Wettbewerbes ging das Architekturbüro fasch&fuchs.architekten ZT-gmbh aus Wien hervor.

1. Rang = Gewinner

Projekt 1, fasch&fuchs.architekten ZT-gmbh, Stumpergasse 14/25, 1060 Wien

Der Entwurf hat im Zusammenspiel alle Kriterien, die an die Schule gestellt werden, zur Deckung gebracht und bietet die schlüssigste und ausgereifteste Lösung zur Umsetzung neuer Lernformen. Der klare Baukörper bildet zum Maria-Trapp-Platz einen guten Abschluss und präsentiert sich in seinem Erscheinungsbild als öffentlicher Bau. Von jeder Blickrichtung bietet der klare Baukörper durch kleine Einschnitte abwechslungsreiche Fassaden. Zu den Freiräumen hin löst sich die Volumetrie durch geschickte Höhenzonierung auf. Gleichzeitig entsteht durch die unterschiedliche Abstufung des öffentlichen Raums und die Ausbildung des öffentlichen Durchgangs großes Potential für den Bezug zwischen den beiden Schulen.
Durch die Situierung des Gebäudes ist an drei Seiten keine zusätzliche Einfriedung erforderlich, zum Hannah-Arendt-Park wird das Konzept einer temporären Öffnung vorgeschlagen.
Das Projekt überzeugt durch die vielfältigen Freiraumbezüge und die leichte Zugänglichkeit der vorgelagerten Freibereiche (Arena und Schulgarten) und auf genutzte Dachflächen und Terrassen aus allen Bereichen. Nicht nur von Clustern und Home Bases ergeben sich interessante Bezüge zum Außenraum. Interessant sind auch die Blickbeziehungen von den Allgemeinen Bereichen durch das „Schulwäldchen“ über die Turnsäle hinweg in den westlichen Freiraum. Positiv beurteilt werden auch die Qualität der Innenraumabfolgen und die Zuordnung von Funktionsbereichen, die Lage der Allgemeinen Bereiche um den Innenhof, der Home Bases sowie der Zone für LehrerInnen.
Die Anordnung der Raumgruppen in den Clustern entspricht den Erwartungen an moderne Unterrichtsformen. Gestaltung und Flexibilität der Innenräume lassen verschiedene Bespielungen zu, Mikrowelten können geändert werden.
Das Projekt ist flächeneffizient und setzt die Vorgaben insgesamt gut um. Der Entwurf ist brandschutztechnisch bereits überlegt durchgearbeitet und in Hinblick auf ökonomische und ökologische Kriterien ebenfalls durchdacht.

(Auszug aus dem Protokoll der Preisgerichtssitzung)

2. Rang

Projekt 5, Atelier Thomas Pucher ZT GmbH, Bahnhofgürtel 77/6, 8010 Graz

Das städtebauliche Konzept zeigt eine in alle Richtungen raumgreifende Baukörperfigur, die in ihrer Maßstäblichkeit und Positionierung einen überzeugenden Lösungsansatz darstellt. Die Kammstruktur ist um eine gemeinsame Mitte organisiert und bietet gut proportionierte Raumzonen, die flexibel genutzt werden können. Die Gestaltung der Freiräume denkt über die Bauplatzgrenzen hinweg, die gute Integration und die kommunikative Aufnahme der angrenzenden öffentlichen Plätze und die topografische Einfriedung wird positiv aufgenommen. Interessant ist auch die Wegeführung um die zentrale Mitte, die abwechslungsreiche Blickbeziehungen ermöglicht. Prinzipiell gewürdigt wird auch der Versuch, eine Lösung für neue Anforderungen an die Schule zu finden. Leider gelingt es weder dem aktiven, kommunikativen Innenleben der Home Bases noch den Unterrichtsbereichen entsprechende räumliche Qualitäten zu verleihen. Positiv werden die konkreten und stimmigen Lösungen für nachhaltige und brandschutztechnische Maßnahmen sowie die Wirtschaftlichkeit des Entwurfs in Errichtung und Betrieb bewertet.

3. Rang

Projekt 2, PLOV architekten zt gmbh, Schikanedergasse 1/4B, 1040 Wien

Die Stärke des Konzeptes liegt im Raumangebot innerhalb der loftartigen Struktur, in der inneren Raumwelt, die durch eingeschnittene Atrien strukturiert wird. Doch die Innenwelt wird nicht mit der Außenwelt verknüpft. Die stringente, hermetisch nach außen abgeschlossene Form zeigt keine Kommunikation mit dem Umfeld, sie bleibt ein Einzelkörper in einer großen Freifläche. Hervorgehoben wird, dass der Entwurf den Versuch unternimmt, Schule anders zu denken. Die Idee wurde aber nicht konsequent weitergeführt, so bleiben im Ergebnis vorerst schlecht nutzbare Freiräume (Lernzonen) und eine strenge Anordnung der Unterrichtsräume. Vermisst wird darüber hinaus auch eine Auseinandersetzung mit den hohen Anforderungen an energieeffiziente Gebäude an diesem Standort.

4. Rang

Projekt 8, Johannes Daniel Michel Generalplaner GmbH & Co KG, Martin-Luther-Straße 57, D-71636 Ludwigsburg

Der 4-geschossige komprimierte Baukörper wird im Inneren durch einen durchgesteckten Trakt in zwei Bereiche geteilt. Dieser Trakt bildet die zentrale Erschließungszone. Die Sockelzone setzt sich als längsgestreckter Riegel nach Westen hin fort und gestaltet sowohl den Straßenraum als auch den Anschluss zum Hannah-Arendt-Park. Ein städtebaulicher Konnex zum zweiten Schulbau wird vermisst.
Das kompakteste und damit kostengünstigste Projekt des Wettbewerbs zeigt pragmatische Strenge, in vielen Bereichen fehlt es an innenräumlichen Qualitäten und neuen Ideen, die die Aufgabestellung gefordert hat.

5. Rang

Projekt 7, PATZELT ARCHITEKTEN, Gesellenhausstraße 15, 4020 Linz

Ein topografischer Baukörper verbindet zwei auskragende Baukörper mit markanten Volumen. Die Qualitäten, die sich aus diesem interessanten Ansatz sowohl im Außen- als auch im Innenraum ergeben könnten, werden aber nicht umgesetzt. Vermisst werden etwa ein fließender Übergang der weichen Form zum Freiraum hin und die generelle Kommunikation des Schulbaus mit dem Umfeld.
Im Inneren fehlt es an konzeptioneller Klarheit und zukunftsweisenden Ideen. Zu stark zeigt sich der Einfluss der klassischen Mittelgangschule.

6. Rang

Projekt 4, Zinterl Architekten ZT GmbH, St. Georgen-Gasse 1, 8020 Graz

Das Projekt orientiert sich in Ost-West-Richtung mittels einer zentralen Aufschließungszone, an die sich Kammelemente anschließen. Das Abrücken von der Grundstücksgrenze am Maria-Trapp-Platz schafft einen großzügigen Vorplatz. Durch die Kleinteiligkeit der Einschnitte zwischen den Trakten entstehen enge Hofsituationen, für die es, aufgrund der Großzügigkeit des Baufeldes, keine Notwendigkeit gibt.
Die verschiedenen Finger beinhalten Atrien, die eine pädagogische Bespielung zulassen. Gut gelöst sind sowohl die Cluster als auch die Home Bases. Bedauert wird, dass durch das Schließen der Stiegenhäuser die Transparenz verloren gegangen ist und das Herz der Schule nicht mehr erlebt werden kann.
Diskutiert wird das äußere Erscheinungsbild der Schule mit der durchgehenden Metallfassade, die kein geeigneter Ansatz für die Vermittlung einer „Schule der Innovation“ scheint.

7. Rang

Projekt 7, architekturbuero beck, DI arch. alexander beck, Pappelgasse 1, D-91056 Erlangen

Über einer zentralen eingeschossigen Aula sind die Unterrichtsräume und die Verwaltung in vier getrennten Baukörpern angeordnet. Die Überzeugung der Einzelbaukörper im Modell verliert sich in der weiteren Durchbildung. Die Qualität innen liegender offener Lernzonen bei Clustern und Homebases in Durchgangsbereichen kann nicht überzeugen. Die Wegeführung im Schulalltag ist durch die jeweils separat erschlossenen Gebäude funktionell problematisch und unwirtschaftlich.

8. Rang

Projekt 6, ARGE Mag. Ulrich Burtscher, DI Marianne Durig, Mariahilferstraße 51/2/2, 1060 Wien

Das Projekt enttäuscht in der Überarbeitung. Die großen Potentiale der 1. Stufe wurden verworfen, so wurde etwa die Erweiterung des Freiraums zum Hannah-Arendt-Park hin durch die Situierung eines erdgeschossigen Baukörpers für die Cluster vom Baukörper her abgetrennt, wodurch nicht nur die Volumetrie des Baukörpers sondern auch seine Beziehung zum Umfeld wesentlich verschlechtert wurde.

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten

Verfahrensbetreuer