Justizzentrum Eisenstadt

Justizzentrum Eisenstadt

Sanierung und Erweiterung

 
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In Eisenstadt wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz (BMJ) das Justizzentrum erweitert und saniert.
 
Im Zuge des von YF Architekten geplanten Projektes wurde ein neues Gerichtsgebäude für Bezirksgericht und Staatsanwaltschaft errichtet.  Nach Abbruch des ehemaligen „Autohaus Nemeth“ entstand das neue Gebäude mit Büros, Archivräumen, Verhandlungssälen und einem zentralen Haupteingang mit Sicherheitsschleuse. Im Untergeschoss befindet sich zusätzlich eine Tiefgarage für die Bediensteten von Gericht und Justizanstalt mit 46 Stellplätzen. Auf der anderen Seite der Wiener Straße, also gegenüber dem neuen Gericht, wurde ein Besucherparkplatz für 55 Autos errichtet.

Parallel zum Gerichtsneubau wurde die Justizanstalt erweitert. Der Zubau ist bis auf wenige Haftplätze für die Verwaltung reserviert. Zusätzlich gibt es Schulungsräume, einen Gymnastikraum, Werkstätten und die Anstaltsküche. Im Außenbereich entstehen drei Spazierhöfe mit Wachturm.

Die Neubauten wurden im Juni 2013 fertiggestellt. Beide Gebäude sind auf Niedrigenergiestandard ausgelegt. Für geringen Energieverbrauch und reduzierten Co2 Ausstoß sorgen: Betonkernaktivierung, mechanische Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Hackschnitzelheizung und eine Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung.

Nach Fertigstellung der Neubauten wurde im August 2013 mit der Sanierung der bestehenden Justizanstalt begonnen. Sie erhielt noch einen zusätzlichen rund 400 Quadratmeter großen Zubau für die Freigänger-Abteilung. Die vorhandenen Vier- bis Sechs-Betten-Hafträume wurden in Ein- bis Zwei-Bett-Hafträume inklusive eigener Nasszellen umstrukturiert. Eine eigene Frauen-Abteilung wurde ebenfalls geschaffen.  Fenster, Dach und Fassade wurden thermisch saniert. Eine thermische Sanierung bekam auch das bestehende Gerichtsgebäude. Im Rahmen einer Funktionssanierung wurden außerdem Räume umgruppiert und an die Anforderungen eines modernen Gerichtsbetriebes angepasst.

Energiekonzept
Das Ziel der Sanierung bzw. des Neubaus des Justizzentrums war die Erreichung des Qualitätsstandards hinsichtlich eines Niedrigenergiehauses. Der hierbei geplante Heizwärmebedarf setzt sich wie folgt zusammen:

• Gericht Neubau und Sanierung: 23 – 24 kWh/m²BGFa;
• Justiz Neubau und Bestand: 25 kWh/m²BGFa;

Die erreichten Werte stellen eine wesentliche Verbesserung gegenüber den geforderten Werten seitens der burgenländischen Bauordnung und der damit verbundenen OIB Richtlinie 6 dar. Im Sinne eines nachhaltigen Energiekonzeptes erfolgte neben der Nutzung der Energieabgabesysteme (Betonkernaktivierung und Fußbodenheizung) auch der Einsatz von hocheffizienten Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung. Unterstützt wird das gebäudetechnische Konzept durch folgende hochbauliche Maßnahmen:

• Einsatz großer speicherwirksamer Massen in der baulichen Tragstruktur;
• Verwendung von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen;

Technische Gebäudeausrüstung
Die primäre Heizenergieversorgung des Justizzentrums erfolgt über eine zentrale Biomasseanlage, welche mit Hackgut betrieben wird. Bei Störungen können die sensiblen Bereiche des Justizzentrums über eine Notgasbrennwertkaskade aufrechterhalten werden. Um die Bereitschaftsverluste des Biomassekessels im Sommer zu verringern und um auch die hohe Anzahl der vorherrschenden Sonnenstunden nutzen zu können, erfolgt die Brauchwasserbereitung der Justizanstalt über eine thermische Solaranlage. Die Wärmeabgabesysteme richten sich nach Raumwidmung bzw. Raumnutzung und beinhalten neben den klassischen Radiatoren im Bereich der Untergeschosse auch den Einsatz von Betonaktivierung und Fußbodenheizung.

Bedingt durch die ganzjährige durchgehende Nutzung des Justizzentrums wurde auch auf eine mögliche sommerliche Überwärmung Bedacht genommen. Das Kernstück dieser Überlegung bildet neben der gesetzten baulichen Sonnenschutzmaßnahmen auch der Einsatz einer Kompressionskälteanlage. Diese stellt die benötigte Kälteenergie für die Lüftungssysteme und der Betonkernaktvierungsflächen bereit. Große Sorgfalt erfolgte bei der Planung der sanitären Anlagen. Hier wurden die gängigen Vorschriften und Vorgaben hinsichtlich Hygiene und Energieaufwand mit berücksichtigt. Die Arten der Lüftungsanlagen wurden dem Verwendungszweck der Räume angepasst. So sind neben den klassischen Entlüftungsanlagen (CO-Absaugung, Sicherheitslüftungen, etc.), Be- und Entlüftungsanlagen (Verhandlungssäle, Speisesaal, Küchenlüftung, etc.), auch Lüftungsanlagen zur kontrollierten Be- und Entlüftung im Einsatz (Büros und Zellenbereich). Besonderer Höhepunkt der Lüftungsanlagen ist der Einsatz von Luftbefeuchtungsmaßnahmen in besonders sensiblen Arbeitsbereichen. Sämtliche haustechnischen Anlagen werden zukunftsorientiert über ein frei programmierbares und jederzeit erweiterbares DDC-System (Direct Digital Controls) gesteuert und geregelt. Die Sicherheitstechnik für den Bereich der Gerichtsgebäude sowie der Justizanstalt befindet sich auf dem letzten Stand. Erwähnenswert ist unter anderem die AV-Medientechnik für den Bereich der Verhandlungssäle, die moderne IT-Infrastruktur sowie das Beleuchtungskonzept für alle Bereich.

Facts

Baubeginn: 4. Quartal 2010
Fertigstellung: 2. Quartal 2016

Sanierung Landesgericht
Baubeginn: 2. Quartal 2013
Fertigstellung: 2. Quartal 2016

Fotos

© Hertha Hurnaus

Standort