Justizpalast

Sanierung und Erweiterung

Der Justizpalast ist nicht nur Teil der eindrucksvollen Wiener Ringbauten, sondern hat auch große Bedeutung für die österreichische Geschichte. Die Generalsanierung des denkmalgeschützten, von 1875 bis 1881 erbauten Neorenaissance-Gebäudes war daher auch eines der größten und herausforderndsten Projekte der letzten Jahre. Sie umfasste statische Maßnahmen, bauliche sowie  technische Verbesserungen und Reparaturen bei Infrastruktur und Haustechnik, zwei zusätzliche Stiegenhäuser, eine umfassende Neugestaltung der Brandschutzeinrichtungen und die  behindertengerechte Erschließung aller Flächen und Gebäudeteile.  Zusätzlich zur Sanierung wurde der Justizpalast dezent um ein ganzes, rund 6.200 Quadratmeter großes und in einer Stahl-Holz-Leichtkonstruktion ausgeführtes Bürogeschoß aufgestockt. Als geschickte räumliche Erweiterung um 790 Quadratmeter spannt sich zwischen den Gebäudetrakten über den Wirtschaftshof eine neue Zentralbibliothek in Form einer Lesebrücke mit 1.000 Laufmeter Bücherabstellfläche. Neu sind auch ein unterirdischer Bücherspeicher mit Platz für 5.000 Laufmeter Bücher und die Cafeteria mit Dachterrasse.

Um die Räume des Justizpalastes an einen modernen, EDV-gestützten Justizbetrieb anzupassen, musste die von vielen historischen Ereignissen beeinflusste Bausubstanz sehr sensibel behandelt werden. Defizite aus der langen Baugeschichte, die wiederholten Reparaturen und Ergänzungen und lediglich provisorisch versorgten Kriegsschäden mussten ausgeglichen werden. Auch der Brand vom 15. Juli 1927 hatte tragende Teile in ihrer innersten Substanz so geschädigt, dass sie grundlegend erneuert werden mussten. Bei allen Maßnahmen wurde darauf geachtet, das künstlerisch und historisch wertvolle Erscheinungsbild zu bewahren, aber mit gezielten Eingriffen auch wieder ins rechte Licht zu setzen. Die Wand- und Bodenflächen, diverse Plastiken und Wandmalereien wurden in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt restauriert.

Heikelste Aufgabe war dabei die Konstruktion der großen Aula-Überdachung, da sich die Stahlträger der rund 500 Quadratmeter großen Zierkonstruktion verformt hatten. Nach einer milimetergenauen Vermessung wurde der Stahlbau maßgenau rekonstruiert, damit die Zierelemente wieder exakt versetzt werden konnten.  Die alte Einfachverglasung wurde für eine optimierte Dämmung durch Isolierglas ersetzt und die Lüftungsklappen mit Elektromotoren aufgerüstet. Fahrbare Wartungsstege machen die Pflege und Wartung der prächtigen Deckenkonstruktion nun einfacher.

Fotos

Manfred Seidl

Standort